Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar. Ingeborg Bachmann
Der „Widerspruch“ feiert ein Jubiläum: Es ist das 50. Heft, das nun seit der Gründung der Zeitschrift im Jahre 1981 erscheint. Aus diesem Grund hat sich die Redaktion zu einem Thema entschlossen, das sie und ihre langjährige Arbeit in besonderer Weise charakterisiert: das Thema Ideologiekritik. Vor 30 Jahren, als die Zeitschrift gegründet wurde, gab es noch keinen Zweifel an der Notwendigkeit und Berechtigung von Ideologiekritik. Es bestand Konsens darüber, dass Ideologie darin besteht, dass jedes Bewusstsein, das aus bürgerlicher Sozialisation entstanden ist und am kapitalistischen „Verblendungszusammenhang“ teilhat, ein falsches Bewusstsein ist. Philosophie, Moral, Recht, Wissenschaft und andere Bewusstseinsformen wurden auf die uneingestandenen Interessen hin durchleuchtet, die ihnen zugrunde liegen und auf die Rechtfertigung und Stabilisierung der beste-henden Verhältnisse gerichtet sind. Mit der Aufdeckung dieser Interessen sollten die herrschenden Ideen als die Ideen der Herrschenden kenntlich gemacht und diskreditiert werden. Zugleich sollte damit der Weg zu einem neuen und kritischen Bewusstsein gefördert werden, das einem universalistischen Anspruch genügt und das Universelle nicht nur für die eigenen, partikularen Zwecke funktionalisiert.
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