Münchner Zeitschrift für Philosophie |
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Der Widerspruch Nr. 47 mit dem Titel "Alternative Ökonomien" ist erschienen und im Buchhandel erhältlich.
Nicht zuletzt die Proteste der Wirtschaftsstudenten an der Pariser Sorbonne gegen den „Autismus“ der gegenwärtigen Ökonomen haben gezeigt, dass der Unmut über die herrschende Ökonomie mittlerweile selbst die Wirtschaftswissenschaften erreicht hat. Herrschte hier doch für Jahrzehnte Stillstand der Diskussion. „There is no alternative“ war nicht nur der neoli-berale Schlachtruf Maggie Thatchers, der alles Nachdenken über andere Wirtschaftsformen beenden sollte; er erhielt auch massive Unterstützung aus dem Lager der Postmodernen, die das Ende der „großen Erzählungen“ für gekommen und umfassende gesellschaftliche Zusammenhänge für nicht erkennbar hielten. So konnte lange Zeit die moralische Empörung über die Auswüchse des Kapitalismus dominieren, wie sie in den 90er Jahren so beredt und wirkungsvoll von Naomi Kleins „No Logo“ und Vivienne For-resters „Terror der Ökonomie“ artikuliert wurde. Es schien zu genügen, den Kapitalismus der Unmenschlichkeit anzuklagen.
In den letzten Jahren hat sich jedoch die innerökonomische Kritik und die Suche nach Alternativen zur Marktwirtschaft verstärkt. Gegen die neoliberalen Wirtschaftslehren wird nicht nur eingewandt, dass sie sich zum Büttel der ökonomisch Mächtigen gemacht haben, sondern dass sie ihres Formalismus wegen auch realitätsfern sind und keine Antworten auf die globalen Fragen geben. Erleben sie doch zur Zeit ihr Desaster, da angesichts der Finanzkrise selbst Wirtschaftsbosse und Bankenchefs gestehen, nicht mehr an die „Selbstheilungskräfte der Märkte“ zu glauben, und nach der intervenierenden Heilkraft des Staates rufen.
Drei Modelle werden heute weltweit als Gegenentwürfe zur Marktwirtschaft diskutiert, die sich nicht als Ergänzungen, sondern als echte Alternative zum bestehenden System verstehen: die „Wohlfahrtsökonomie“, die das wirtschaftliche Handeln an den Möglichkeiten bemisst, die Fähigkeiten der/des Einzelnen zu verwirklichen. Die vor allem in Lateinamerika wirksame „Solidarische Ökonomie“, die das Wirtschaftssystem als ein Netzwerk gleichsam ‚von unten’ her aufbaut – Und schließlich die Diskussion um eine „sozialistische Ökonomie“, die in Marxscher Tradition die gesellschaftliche Verfügungsgewalt über die Produktionsmittel ins Zentrum des Wirtschaftsgeschehens stellt.
Der vorliegende Band will nicht nicht einen Einblick in diese Alternativen bieten, sondern sie auch gegeneinander und miteinander diskutieren lassen. So nehzmen neun Ökonomen, Soziologen, Politologen und Philosophen dazu aus unterschiedlichen Blickwinkeln Stellung.
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